„Teneriffa? Da findest du keine Locations.“ Das habe ich öfter gehört, als mir lieb war. Online, in Foren und sogar von befreundeten Fotografen. Ein Fotoworkshop über zwei Wochen auf einer Insel, die angeblich nichts hergibt? Klang nicht gerade nach dem besten Plan.
Ich wollte es trotzdem wissen. Also bin ich vor dem Workshop mit Emmi auf die Insel geflogen, um selbst nachzuschauen.
Detektivarbeit vom Sofa aus
Die Suche fing nicht auf Teneriffa an, sondern am Bildschirm. Stundenlang Google Maps, Satellitenbilder, Facebook-Gruppen. Jeder Felsen, der interessant aussah, jede Ruine, jeder Weg ins Nichts bekam eine Markierung. Am Ende hatte ich eine Karte voller Punkte und keine Ahnung, welcher davon wirklich etwas taugt.
Unser Basislager war ein kleines Apartment an der Südwestküste. Von dort aus sind wir die Insel Stück für Stück abgefahren.
Gleich um die Ecke: der erste Volltreffer
Die erste Location lag gar nicht weit vom Apartment entfernt: eine Felsenlandschaft, die einfach grandios ist. Der Weg dorthin war allerdings alles andere als bequem. Aber genau dafür wurden wir belohnt. Emmi hat dort in ganz unterschiedlichen Posen gearbeitet, von Fashion bis Akt, und ich wusste nach den ersten Bildern: Die Leute, die gesagt haben, hier gibt es nichts, lagen falsch.
Wo genau das war, verrate ich nicht. Solche Plätze bleiben nur so besonders, wenn nicht morgen hundert Leute dort stehen.
Die alte Satellitenanlage
Auf den Satellitenbildern sah sie aus wie ein Traum: eine alte, verlassene Satellitenanlage, mitten im Nirgendwo. Vor Ort war der Zauber schnell verflogen. Rundherum stehen verfallene Hütten, in denen tatsächlich Menschen wohnen, und so richtig ungestört ist man dort nicht. Mit Emmi ist trotzdem eine dramatische Serie entstanden, aber für den Workshop war klar: gestrichen.

Sanatorio de Abona: Lost Place mit Geschichte
Diesen Ort darf ich nennen, denn er ist ohnehin recht bekannt: das Sanatorio de Abona an der Ostküste, eine nie in Betrieb genommene Leprastation. Verfallene Gebäude, Beton, Licht, das durch leere Fensteröffnungen fällt. Lost Place, wie man ihn sich wünscht. Der kam direkt in den Workshop.
Am Teide: Mondlandschaft und Menschenmassen
Die Vulkanlandschaft rund um den Teide ist spektakulär, das weiß jeder. Genau das ist auch das Problem: An den bekannten Spots ist es voll, Parkplätze gibt es keine, und für Aktaufnahmen ist das schlicht nichts. Dazu kommt das Licht, das dort oben gnadenlos sein kann. Trotzdem sind coole Bilder entstanden.
Und dann haben wir doch noch einen eigenen, ruhigen Platz gefunden. Der war später auch im Workshop dabei. Wo er liegt? Bleibt mein Geheimnis.
Ein Staudamm mitten in den Bergen
Irgendwo mitten in den Bergen sind wir auf einen alten Staudamm gestoßen. Leicht zu erreichen war er nicht: Ein bisschen schwindelfrei sollte man sein, und ein Stück klettern mussten wir auch. Aber es hat sich gelohnt. Der Staudamm kam sofort auf die Liste, und wir haben ihn in beiden Workshop-Wochen für richtig tolle Fotos genutzt.
Der Norden: Regen, Regen, Wasserfall
Während der Süden uns mit Sonne verwöhnt hat, war der Norden in diesen gut 20 Tagen ziemlich verregnet. Aber gerade dort lag unser absoluter Geheimtipp: ein Wasserfall, schwer zu erreichen, mit einer kleinen Brücke, fast wie aus einem Märchen. Ohne ordentliche Kondition kommt man da nicht hin. Es hat sich jeden Schritt gelohnt.

Pflichtprogramm: Hafen, Sonnenuntergang, Strand
Natürlich durften auch die Klassiker nicht fehlen: Hafenbilder im Sonnenuntergang. Und weil so eine Vorerkundung nicht nur aus Arbeit besteht, gab es auch Badepausen. Außerdem haben wir einige Restaurants getestet, damit die Workshop-Teilnehmer später gut versorgt sind. Recherche eben.
Mein Fazit
Am Ende hatten wir zwölf bis fünfzehn Locations auf der Liste. Nicht alle haben es in den Workshop geschafft, aber jede hat ihre eigenen Bilder hervorgebracht. Und Teneriffa? Ist alles andere als ungeeignet. Man muss nur ein bisschen suchen und bereit sein, auch mal ein paar Kletterpartien in Kauf zu nehmen.
Danke, Emmi, für diese Tage. Ohne dich wären es nur Punkte auf einer Karte geblieben.



